„Ahna & Ähne“: Mit Kuchen gegen Altersarmut

Stell dir vor, du betrittst einen Raum und das Erste, was dich begrüßt, ist dieser unverwechselbare Duft: frisch gemahlener Kaffee, eine Prise Zimt und das warme Aroma von Teig, der gerade im Ofen aufgeht. Es ist ein Geruch, der uns sofort in die Kindheit zurückkatapultiert – in die Küche unserer Großeltern.

In Bludenz ist dieses Gefühl jetzt sesshaft geworden. Im ehemaligen Café Fritz ist mit „Ahna & Ähne“ Vorarlbergs erstes „Mehr-als-Generationencafé“ eingezogen. Doch hinter den liebevoll gedeckten Tischen und den besten Rezepten aus der Geheimschublade steckt eine Mission, die weit über den Tellerrand hinausgeht.

Ein öffentliches Wohnzimmer für das Ländle

Was genau bedeutet eigentlich „Ahna & Ähne“? Für alle, die den Arlberg nur aus dem Urlaub kennen: Im Vorarlberger Dialekt ist die Ahna die Oma und der Ähne der Opa.

Das Café in der Mühlgasse 14 ist weit mehr als ein klassischer Gastronomiebetrieb. Es ist ein öffentliches Wohnzimmer, in dem Rezepte, Geschichten und Lebenserfahrung von Generation zu Generation weiterwandern. Hier werkeln keine anonymen Profiköch:innen, sondern ein Team aus backfreudigen Senior:innen, die zeigen, dass man mit Herz, Humor und einer ordentlichen Portion Butter nicht nur Kuchen, sondern auch die Gemeinschaft retten kann.

„Ohne euch wär’s nur ein Café… mit euch wird’s richtig gemütlich.“ – Das Credo von Ahna & Ähne.

Ahne & Ähne Logo

Die bittere Wahrheit hinter der süßen Fassade

Warum braucht es solche Projekte? Während wir den hausgemachten Kuchen genießen, dürfen wir die Augen vor einer wachsenden gesellschaftlichen Herausforderung nicht verschließen: der Altersarmut. In einem wohlhabenden Land wie Österreich ist Armut im Alter oft unsichtbar, aber sie ist real und laut Statistik Austria im Jahr 2026 präsenter denn je.

Zahlen, die aufrütteln

  • Soziale Ausgrenzung: Fast 300.000 Senior:innen in Österreich sind von sozialer Ausgrenzung betroffen.

  • Das Armutsrisiko: Rund 15 % aller Haushalte mit Pensionseinkommen gelten als armutsgefährdet.

  • Die Schere klafft auseinander: Während die Armutsschwelle bei etwa 1.661 Euro (für einen Einpersonenhaushalt) liegt, befindet sich die staatliche Ausgleichszulage (die „Mindestpension“) oft deutlich darunter. Das bedeutet für viele: Jeden Cent zweimal umdrehen, bevor er ausgegeben wird.

Warum Armut oft weiblich ist

Wenn wir über Altersarmut sprechen, müssen wir über Frauen sprechen. In Österreich ist jede fünfte Frau ab 65 Jahren armutsgefährdet. Bei alleinlebenden Pensionistinnen steigt diese Quote sogar auf 26 % bis 32 %.

Die Gründe für diesen „Gender-Pension-Gap“ (der Unterschied in der Pensionshöhe liegt bei fast 40 %) sind strukturell:

    1. Unbezahlte Sorgearbeit: Frauen übernehmen nach wie vor den Großteil der Kindererziehung und der Pflege von Angehörigen.

    2. Teilzeit-Falle: Um Familie und Beruf zu vereinbaren, arbeiten über 50 % der Frauen in Teilzeit (bei Männern sind es nur rund 12 %). Das führt direkt zu geringeren Pensionsansprüchen.

    3. Einkommensunterschiede: Der klassische Gender-Pay-Gap im Erwerbsleben setzt sich in der Pension nahtlos fort.

Quelle: Armut in Österreich: Caritas Österreich

Armut macht krank – und einsam

Die Caritas Österreich betont immer wieder den engen Zusammenhang zwischen Armut und Gesundheit. Menschen, die in absoluter Armut leben, sind fast doppelt so oft chronisch krank. Wer wenig Geld hat, spart oft bei der gesunden Ernährung, bei Heizkosten oder bei der sozialen Teilhabe.

Quelle: Armut in Österreich: Caritas Österreich

Hier schließt sich der Kreis zu „Ahna & Ähne“. Indem das Projekt Senior:innen aktiv einbindet, wirkt es der sozialen Isolation entgegen. Es gibt den Menschen eine Aufgabe, Wertschätzung und einen Grund, morgens mit Freude aufzustehen.

Was muss sich ändern? Ein Forderungskatalog

Damit Altersarmut nicht zur dauerhaften Realität für kommende Generationen wird, braucht es laut Expert:innen (u. a. der Arbeiterkammer) klare Maßnahmen:

BereichMaßnahme
PensionssystemErhöhung der Ausgleichszulage auf das Niveau der Armutsschwelle.
ArbeitsweltBessere Anrechnung von Kindererziehungs- und Pflegezeiten auf das Pensionskonto.
InfrastrukturAusbau kostenloser Kinderbetreuung ab dem 1. Lebensjahr, um Vollzeitarbeit zu ermöglichen.
PräventionGezielte Finanzbildung für Frauen und Förderung der partnerschaftlichen Aufteilung von Sorgearbeit.

Der gesamte Forderungskatalog: Pension muss Armut verhindern | Arbeiterkammer Oberösterreich

Expert:innen-Tipp: Wie du die Pensionsfalle umgehst

Altersarmut ist kein Schicksal, das man einfach hinnehmen muss. Vorsorge beginnt nicht erst mit 50, sondern schon beim ersten Job und bei der Familienplanung. Hier sind die wichtigsten Hebel:

  1. Kenne deine Zahlen: Über das Online-Portal der Sozialversicherung (Neues Pensionskonto) kannst du jederzeit sehen, wie viel Pension du zu erwarten hast. Vergleiche diesen Wert mit deinen Fixkosten – das ist deine „Pensionslücke“.

  2. Die „Teilzeit-Falle“ bewusst managen: Versuche, den Stundenumfang so hoch wie möglich zu halten (z. B. 30+ Stunden). Jeder Euro mehr Gehalt zählt! Vereinbare mit Arbeitgeber:innen klare Rückkehr-Optionen auf Vollzeit nach der Karenz.

  3. Partnerschaftliche Vorsorge (Pensionssplitting): Nutze das freiwillige Pensionssplitting, bei dem der erwerbstätige Elternteil bis zu 50 % der Kontogutschrift an die Person überträgt, die sich der Kindererziehung widmet.

  4. Finanzielle Unabhängigkeit: Verlasse dich nicht ausschließlich auf Partner:innen. Eigene Rücklagen (ETFs, Sparpläne, Höherversicherung), die nur auf deinen Namen laufen, sind die beste Absicherung.

Noch mehr Vorsorgetipps: Altersarmut bei Frauen » Infos & Tipps | AMS

Werde Teil der Bewegung!

„Ahna & Ähne“ zeigt uns, dass man ein ernstes Thema mit Herz und Wärme angehen kann. Aber dieses Projekt lebt vom Mitmachen:

  • Besuch sie: Hol dir ein Stück Kuchen und schenk den Ahnas und Ähnes ein Lächeln.

  • Misch mit: Du hast ein Geheimrezept oder willst selbst den Kochlöffel schwingen? Melde dich unter backenwirsan@ahna-aehne.at.

  • Unterstütze miralle: Wir vernetzen Projekte wie dieses und kämpfen für soziale Gerechtigkeit im Ländle und darüber hinaus. Darüber hinaus suchen wir laufen ehrenamtliche Helfer:innen, da unser Verein zu 100% von Ehrenamtlichen betrieben wird. Mehr Infos.

Besuche das Café: Mühlgasse 14, 6700 Bludenz Samstag: 09:00 – 16:00 Uhr | Sonntag: 11:00 – 17:00 Uhr

Quellen & weiterführende Informationen:

  • Statistik Austria (2025): EU-SILC 2024 Daten zur Armutsgefährdung.

  • Arbeiterkammer Oberösterreich (2025): Bericht „Pension muss Armut verhindern“.

  • AMS Österreich (2025): Fachartikel „Altersarmut bei Frauen: Gründe und Vorsorge“.

  • Caritas Österreich (2025): Dossier „Armut in Österreich – Realität und Folgen“.

  • Ahna & Ähne (2026): Projektvorstellung und Leitbild, Bludenz.

  • Arbeiterkammer (2025): „Frauen und Pension: Tipps zur Absicherung“.

  • PVA (2026): „Freiwilliges Pensionssplitting – Informationen für Eltern“.

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