Warum Altersarmut in Österreich oft weiblich ist

Die unsichtbare Realität: Warum Altersarmut in Österreich oft weiblich ist

Wenn wir an das Alter denken, wünschen wir uns alle dasselbe: Sicherheit, Gesundheit und die Freiheit, das Leben im Ruhestand zu genießen. Doch die Realität in einem wohlhabenden Land wie Österreich sieht für viele Menschen anders aus. Armut im Alter ist oft unsichtbar, aber sie ist real – und statistisch gesehen betrifft sie vor allem Frauen.

Als Sozialverein miralle setzen wir uns für gesellschaftliche Gerechtigkeit ein. Deshalb schauen wir hin, wo die Schere auseinanderklafft, und beleuchten die strukturellen Ursachen hinter den Zahlen.

Zahlen, die aufrütteln

  • Soziale Ausgrenzung: Fast 300.000 Senior:innen in Österreich sind von sozialer Ausgrenzung betroffen.

  • Das Armutsrisiko: Rund 15 % aller Haushalte mit Pensionseinkommen gelten als armutsgefährdet.

  • Die Schere klafft auseinander: Während die Armutsschwelle bei etwa 1.661 Euro (für einen Einpersonenhaushalt) liegt, befindet sich die staatliche Ausgleichszulage (die „Mindestpension“) oft deutlich darunter. Das bedeutet für viele: Jeden Cent zweimal umdrehen, bevor er ausgegeben wird.

Warum Armut oft weiblich ist

Wenn wir über Altersarmut sprechen, müssen wir über Frauen sprechen. In Österreich ist jede fünfte Frau ab 65 Jahren armutsgefährdet. Bei alleinlebenden Pensionistinnen steigt diese Quote sogar auf 26 % bis 32 %.

Die Gründe für diesen „Gender-Pension-Gap“ (der Unterschied in der Pensionshöhe liegt bei fast 40 %) sind strukturell:

    1. Unbezahlte Sorgearbeit: Frauen übernehmen nach wie vor den Großteil der Kindererziehung und der Pflege von Angehörigen.

    2. Teilzeit-Falle: Um Familie und Beruf zu vereinbaren, arbeiten über 50 % der Frauen in Teilzeit (bei Männern sind es nur rund 12 %). Das führt direkt zu geringeren Pensionsansprüchen.

    3. Einkommensunterschiede: Der klassische Gender-Pay-Gap im Erwerbsleben setzt sich in der Pension nahtlos fort.

Quelle: Armut in Österreich: Caritas Österreich

Armut macht krank – und einsam

Die Caritas Österreich betont immer wieder den engen Zusammenhang zwischen Armut und Gesundheit. Menschen, die in absoluter Armut leben, sind fast doppelt so oft chronisch krank. Wer wenig Geld hat, spart oft bei der gesunden Ernährung, bei Heizkosten oder bei der sozialen Teilhabe.

Quelle: Armut in Österreich: Caritas Österreich

Was muss sich ändern? Ein Forderungskatalog

Damit Altersarmut nicht zur dauerhaften Realität für kommende Generationen wird, braucht es laut Expert:innen (u. a. der Arbeiterkammer) klare Maßnahmen:

BereichMaßnahme
PensionssystemErhöhung der Ausgleichszulage auf das Niveau der Armutsschwelle.
ArbeitsweltBessere Anrechnung von Kindererziehungs- und Pflegezeiten auf das Pensionskonto.
InfrastrukturAusbau kostenloser Kinderbetreuung ab dem 1. Lebensjahr, um Vollzeitarbeit zu ermöglichen.
PräventionGezielte Finanzbildung für Frauen und Förderung der partnerschaftlichen Aufteilung von Sorgearbeit.

Der gesamte Forderungskatalog: Pension muss Armut verhindern | Arbeiterkammer Oberösterreich

Expert:innen-Tipp: Wie du die Pensionsfalle umgehst

Altersarmut ist kein Schicksal, das man einfach hinnehmen muss. Vorsorge beginnt nicht erst mit 50, sondern schon beim ersten Job und bei der Familienplanung. Hier sind die wichtigsten Hebel:

  1. Kenne deine Zahlen: Über das Online-Portal der Sozialversicherung (Neues Pensionskonto) kannst du jederzeit sehen, wie viel Pension du zu erwarten hast. Vergleiche diesen Wert mit deinen Fixkosten – das ist deine „Pensionslücke“.

  2. Die „Teilzeit-Falle“ bewusst managen: Versuche, den Stundenumfang so hoch wie möglich zu halten (z. B. 30+ Stunden). Jeder Euro mehr Gehalt zählt! Vereinbare mit Arbeitgeber:innen klare Rückkehr-Optionen auf Vollzeit nach der Karenz.

  3. Partnerschaftliche Vorsorge (Pensionssplitting): Nutze das freiwillige Pensionssplitting, bei dem der erwerbstätige Elternteil bis zu 50 % der Kontogutschrift an die Person überträgt, die sich der Kindererziehung widmet.

  4. Finanzielle Unabhängigkeit: Verlasse dich nicht ausschließlich auf Partner:innen. Eigene Rücklagen (ETFs, Sparpläne, Höherversicherung), die nur auf deinen Namen laufen, sind die beste Absicherung.

Noch mehr Vorsorgetipps: Altersarmut bei Frauen » Infos & Tipps | AMS

Quellen & weiterführende Informationen:

  • Statistik Austria (2025): EU-SILC 2024 Daten zur Armutsgefährdung.

  • Arbeiterkammer Oberösterreich (2025): Bericht „Pension muss Armut verhindern“.

  • AMS Österreich (2025): Fachartikel „Altersarmut bei Frauen: Gründe und Vorsorge“.

  • Caritas Österreich (2025): Dossier „Armut in Österreich – Realität und Folgen“.

  • Arbeiterkammer (2025): „Frauen und Pension: Tipps zur Absicherung“.

  • PVA (2026): „Freiwilliges Pensionssplitting – Informationen für Eltern“.

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